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1. Im Mittelalter … und in der Antike geschätzt und gepflegt, ist sie heute schon fast in Vergessenheit geraten. War sie einst fester Bestandteil in Kloster- und Heilgärten, fand Platz in Medizinbüchern wie dem
 „Liber simplicis medicinae“ der Hildegard von Bingen (1098 – 1179), so ist sie in unserer Zeit aus vielen Gärten verschwunden und wird auch an natürlichen Standorten zunehmend verdrängt. Aquilegia vulgaris war ehemals so häufig, dass man ihre jungen Sprösslinge im Frühjahr erntete und sie wie frische Spargelkeime zubereitete, nun ist sie längst derart gefährdet, dass sie seit Jahren auf der “Roten Liste“ der vom Aussterben bedrohten Arten steht. Die Akelei ist eine Pflanze, die ihresgleichen sucht. In Form und Gestalt ein Unikum, reich an Bedeutung und Symbolik, filigran im Wuchs, demütig und stolz zugleich, und immer einer genaueren Betrachtung wert! 2. Der Name Der botanische Name der gewöhnlichen Akelei lautet Aquilegia vulgaris und wurde in der Zeit der exakten Wissenschaft das Erste mal von Karl Linné beschrieben. Der Gattungsname Aquilegia leitet sich wahrscheinlich von dem lateinischen Wort aquila für Adler ab und bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Blütensporne mit Adlerkrallen. Möglicherweise stand aber auch das lateinische Wort aquilegium für Wasserbehälter bei der Namensgebung Pate, weil die Kelchblätter der Pflanze eine ähnliche Form aufweisen. Die deutsche Bezeichnung ist aus dem lateinischen hervorgegangen. Der Gattungsname Akelei leitet sich demzufolge von Aquilegia ab und der botanische Artname vulgaris bedeutet gewöhnlich. Neben dem Fachnamen existieren, wie bei vielen anderen Pflanzen auch, noch andere Trivialnamen, die sich auf verschiedenste Symbole und Vergleiche stützen. Unter anderem ist die Akelei auch unter dem Namen Elfenschuh bekannt. Dies rührt von der Form der Blüten, die stern- oder glockenförmig gestaltet sind und einen ausgeprägten Sporn tragen.
3. Die Geschichte Akeleiarten wurden das erste Mal von der Äbtissin Hildegard von Bingen in dem „Liber simplicis medicinae“ beschrieben. Sie schätzte die heilsame Wirkung sehr und beschreibt sie wie folgt: „...wer aber Fieber hat, der zerstoße Akelei, und er seihe ihren Saft durch ein Tuch, und diesen Saft gebe er Wein bei, und so trinke er oft, und es wird ihm besser gehen.“ Der Akelei wurde schon beizeiten mehrere heilsame Wirkungen zugeschrieben. Im Jahr 1606 erschien in Straßburg das „Kräuterbuch nach rechter Art der Himmlischen Einfließungen durch Philomusum Anonymum“ in dem u.a. 273 verschiedene medizinische Heilwirkungen der Akelei beschrieben werden Auch Tabernaemontanus empfiehlt sie unter anderem bei Erkrankungen von Leber und Milz, bei Gelbsucht, Wassersucht und als Heilmittel bei Wunden. Ebenso sollten Akeleien Zauberkraft und Impotenz brechen können. Tabernaemontanus dazu: „So einem Mann sein Krafft genommen und durch Zauberey oder andre Hexenkunst zu den Ehlichen Wercken unvermöglich worden wäre der trincke stätig von dieser Wurzel und dem Saamen er genieset und komt wieder zurecht.“ Ähnlich der Bader und Heiler des europäischen Mittelalters und folgender Epochen verwendeten auch die Meskaki-Indianer Nordamerikas die aphrodisische Wirkung der Akelei. Sie kochten aus Ginseng, Glimmererde, Schlangenfleisch, Gelatine und Akelei einen Liebestrank. Die erwünschte Wirkung scheint er nie verfehlt zu haben, wie manch ein anderer Volksname verrät. Der englische (Herba leonis) begründet sich in der Löwenkraft welchen das Akeleiextrakt verleihen soll, noch deutlicher ist der italienische Name amour nascosto der für heimliche Liebe steht. (An dieser Stelle sei der Leser darauf hingewiesen: Aquilegia ist giftig!)

4. Die Symbolik Betrachtet man die Akelei einmal näher und vergleicht sie gedanklich mit dem breiten Spektrum anderer Stauden im Garten, so stellt man schnell fest, dass Ihresgleichen selten zu finden ist. Vielleicht liegt in dieser besonderen Form und Gestaltung der Pflanze die reichhaltige und auch z.T. grundsätzlich verschiedene Symbolik welche ihr zugesprochen wird. Der Blütenkopf, welcher sich mit dem erblühen gen Boden senkt, steht für die Demut oder die Anbetung. Der Klerus sah darin die „Sorgen der Jungfrau Maria“. Das dreifach gedrittelte Blatt Symbolisiert die Trinität, die heilige Dreifaltigkeit welche als Dreiblattornament vor allem in gotischen Kirchen noch heute zu finden ist. Die Akelei wird jedoch auch als Sinnbild der Anmut gesehen. Dies begründet sich mit Sicherheit in dem dünnen, grazilen Blütenstängel, der nahezu Senkrecht aus dem Blatthorst emporwächst und mehrere filigran gestaltete Blüten trägt. Weniger des Aussehens wegen, jedoch auf Grund der zugesprochenen Wirkung, ist sie auch ein Zeichen für Sexualkraft und steht als Attribut für die römische Liebesgöttin Venus, die griechische Aphrodite oder für Freja, die germanische Fruchtbarkeitsgöttin.
5. Die Natürliche Verbreitung Die Gattung Aquilegia ist in Europa, Nordamerika und den gemäßigten Regionen Asiens beheimatet. „Vulgaris“ - Arten hingegen kommen ausschließlich in Europa vor und bilden die Grundlage vieler Hybriden. Natürliche Lebensstandorte der Gewöhnlichen Akelei sind kraut- und grasreiche Eichen- und Buchenmischwälder, Heckensäume und Wiesen. Sie wächst auf sommerwarmen, mäßig trockenen bis frischen, nährstoff- und basenreichen, humosen, lockeren Lehmböden. Das Vorkommen erstreckt sich von den Ebenen bis in die Gebirge (bis_1200m), vor allem in Kalkseltener in Silikatgebieten. In der freien Natur ist die gewöhnliche Akelei geschützt und steht auf der roten Liste.

6. Die Gestalt Die Akelei kann eine Wuchshöhe von 50 bis 70_cm erreichen. Sie ist eine horstig wachsende Pflanze mit einer stark ausgeprägten, sich verzweigenden Pfahlwurzel. Die Laubblätter sind grundständig, lang gestielt und doppelt dreizählig gefiedert. Die Infloreszenz ist, wenn man den ganzen Blütenstängel betrachtet, eine Rispe. Sie verzweigt sich mehrfach und trägt an jedem Ende eine Blüte. Die Blüte ist nickend, violettblau ( seltener blauweiß oder weiß) mit fünf radiär angeordneten Blütenhüllblätter, die 15 – 25mm lang und zugespitzt sind. Die Hauptblütezeit der Akelei ist von Mitte Mai bis Ende Juni. Bei günstigen Standortbedingungen ist es jedoch gut möglich, dass die Pflanzen Ende August noch einmal nachblühen. Nach der Blüte bildet die Akelei Balgfrüchte aus. Diese Früchte sind meist fünfteilig, entstehend aus den fünf Fruchtknoten, und mehrsamig. Die einzelne Fruchtkapsel ist 2 – 3 cm lang und oft mit Drüsenhaaren bewachsen
7. Zu Verwendung und Standort Auf Grund des besonderen Schutzstatus einer „Rote Liste“ Art, ist es kaum zu erwarten, dass die Wildform der Akelei eine große Rolle in der Gestaltung von Garten- und Parkanlagen spielt. Sie ist jedoch Elternteil vieler Hybriden, welche fast identische Standortbedingungen aufweisen. An dieser Stelle sollen daher die Verwendungsmöglichkeiten und die Standortspezifika anhand der Ziersorten erläutern um sowohl den Interessen des Naturschutzes als auch den Ansprüchen der Gartengestaltung gerecht zu werden. Aquilegia vulgaris wird seit dem 15. Jahrhundert kultiviert und aus den Abbildungen alter Pflanzensammlungen geht hervor, dass es bereits damals dicht gefüllte Sorten gab, die heute vermutlich ausgestorben sind. Bei der Planung und Anlage von Staudenflächen ist darauf zu achten, dass die Akelei an halbschattigen bis sonnigen Standorten zu pflanzen ist. Standorte mit zu hohen Temperaturen verträgt sie jedoch nicht. Geeignet ist daher eine Pflanzsituation mit Streuschatten, der vom Rand von Gehölzpflanzungen oder von nicht zu dicht stehenden Bäumen gespendet wird. Hinsichtlich ihres filigranen Wuchses weist die Akelei zudem keine hohe Windresistenz auf. Auch hierbei kann sich die Nähe zu Gehölzen positiv auswirken Der Boden sollte locker, frisch-humos und leicht alkalisch sein. Die Akelei reagiert empfindlich gegenüber stark durchwurzelten Böden. Sie ist eine eher konkurrenzschwache Pflanze und lässt sich von stark wuchernden Pflanzen schnell verdrängen. Geeignet ist die Akelei zur Gestaltung von kleinflächigeren Bepflanzungen, da sie weder von großer Entfernung, noch inmitten vieler verschiedener Blumen ihre Wirkung entfalten kann. In den Pflanzungen sollte sie daher zumindest die Funktion einer höheren Begleitstaude, besser noch die einer Leitstaude übernehmen. Bei der Anlage von Staudenbeeten ist die Akelei vorrangig mit Pflanzen zu kombiniert, die ihr bezüglich der Wuchseigenschaften ähnlich sind. Genannt werden sollen: Campanula-Arten (Glockenblumen), Papaver nudicaul (Islandmohn), Primula japonica (Japanprimel), Tiarella cordifolia (Schaumblüte), Trollius chinensis (Trollblume), um nur einige zu nennen. Aber auch die Kombination mit Blattschmuckstauden, die ihre Blüten besonders zur Geltung bringen, ist geeignet.

8. Zur Pflege Hat sich Aquilegia an einem Standort einmal etabliert, so ist der jährliche Pflegeaufwand nicht sehr hoch. Wichtig ist es den Konkurrenzdruck zu minimieren bzw. den Boden offen zu halten. Eine Hilfestellung hierfür ist das ausbringen von Mulch oder Häckselgut. Dieses verhindert eine zu schnelle Ausbreitung anderer Stauden oder Unkräutern und minimiert die Verdunstung des Wassers im Boden. Durch das Auskneifen der Samenansätze kann die Blühperiode der Akelei verlängert werden, da die, für die Ausbildung der Samen eingesparte, Energie der Ausbildung neuer Blüten zugeführt wird.
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